Die Studierenden-Vertretungen überlassen die Universitäten nicht dem Diktat der Wirtschaftskammer und der Industriellenvereinigung.

Die Studierendenvertretungen überlassen die Universitäten nicht dem Diktat der Wirtschaftskammer und der Industriellenvereinigung.

 

Montag, 16. Dezember 2013, an sämtlichen Österreichischen Universitäten wurden auf Beschluss der Rektorenkonferenz schwarze Fahnen gehisst. Eine aufgebrachte Menschen-Menge am Ballhausplatz forderte den Bundespräsidenten auf, die Regierung nicht anzugeloben. Dies ist aber erst der Beginn der Proteste. Tausende Studierende, Lehrende, Forschende und >freie Bildungsfans< trotzten am vorlesungsfreien Dienstagnachmittag der politischen und meteorologischen Kälte bei einem Sternmarsch von den meisten Wiener Unis ausgehend in Richtung Minoritenplatz, um dem Wissenschaftsministerium die letzte Ehre zu erweisen.

 

Im vorgelegten Programm, auf das die Regierung Anfang dieser Woche vereidigt wurde, wird nicht nur die Eigenständigkeit der Wissenschaft und Forschung symbolisch zu Grabe getragen, es wird die Kultur- und Geistestätigkeit eines Landes über einen Katalog verwertungslogischer Effizienzkriterien gebrochen.

 

An konkreten Zielsetzungen im Bereich der Wissenschaft mangelt es völlig, betont wird jedoch das Besetzen der sogenannten „Internationalen Spitze“, deren einziges Kriterium der Vergleich mit Anderen ist.  In Kunst- und Kulturangelegenheiten strebt die große Koalition explizit eine „Nation Brand Austria“ als Exportgut für den internationalen Kunstmarkt an. Ist man sich im Kabinett nicht mehr bewusst, welches gefährliche Spiel man treibt, wenn Patriotismus mit Scheinwerten aus einer Werbesprache unterfüttert wird, die mit dem Erkenntnisstreben einer freien Forschung und Kunstproduktion nicht das Geringste gemeinsam haben?

 

Die Studierendenvertretung der Akademie der Bildenden Künste schließt sich daher dem Aufruf der HUFAK vollinhaltlich an: 

„Die HochschülerInnenschaften der Universität für Angewandte Kunst  und der Akademie der Bildenden Künste teilen die große Sorge der Mitglieder der Universitätenkonferenz und der wissenschaftlichen Community Österreichs in Bezug auf die Auflösung eines eigenständigen Wissenschaftsministeriums durch die neue Bundesregierung. Die Angliederung desselben an das Wirtschaftsministerium ist ein Alarmsignal in Hinblick auf die Rolle der Universitäten als freie Stätten der Tradierung und Generierung von Wissen und Kultur in unserer Gesellschaft. Sie darf unter keinen Umständen dazu führen, dass die Gestaltung der Rahmenbedingungen für wissenschaftliche Forschung und Lehre auf ministerieller Ebene in zunehmendem Maße durch Kriterien wirtschaftlicher Rentabilität erfolgt.“

 

Kunst darf nicht Marketing werden.

Es ist die Aufgabe der Kunst, Transformationsprozesse gesellschaftlicher Anschauungen und kritisch reflexive Infragestellung derselben anzuregen. Sie darf nicht von Produktivität vereinnahmt werden.

 

Forschung muss alle bereichern, nicht nur die Reichen.

Es ist die Aufgabe der Wissenschaft, den Erkenntnishorizont zu erweitern und Thesen zu hinterfragen, Denkweisen durch Unvoreingenommenheit zu revolutionieren. Sie muss unabhängig bleiben.

 

Anstatt, wie es die Aufgabe einer reflektierten Volksvertretung wäre, endlich aus Denkweisen auszubrechen, die notwendig zu Elitenbildung und damit unaufhörlich zu Kräfteungleichgewichten und Krisen führen, wendet sich diese Regierung erschreckenderweise einer neoliberalen Verwertungs-Strategie zu.


Die Studierendenvertretungen der Akademie der Bildenden Künste und der Universität für Angewandte Kunst sagen: Nein! 

 

Wir sehen uns auf der Straße wieder.

 

Dieser Beitrag wurde unter Bildungspolitik, die ÖH, Presseaussendungen ÖH Akbild, wir informieren veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar