Kultur ausbluten? ÖH gegen zerstörung des Amerlinghaus.

APA-OTS zu finden unter: http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20140428_OTS0194/kultur-ausbluten-stadt-wien-zerstoert-aeltestes-freies-kulturzentrum

Kultur ausbluten?
Das Amerlinghaus wird von der Stadt ausgeblutet. Welche Pläne gibt es
für das prestigeträchtige Gebäude?

Eine nicht wegzudenkende freie Wiener Kultur- Institution, der Verein
„Kulturzentrum Spittelberg“ im Amerlinghaus, steht vor dem Aus. Ob
kostendeckende Arbeit gewährleistet ist, oder nur die Hälfte der
Finanzierung, macht laut Aussagen der Magistrate keinen Unterschied. Der
Betrag der Fördersumme sei „immer noch namhaft“. Wie genau diese
Einschätzung zustande kommt ist schleierhaft – beträgt die bisherige
Fördersumme rund ein Siebtel dessen was jährlich für das Donauinselfest
(eine SPÖ-Parteiveranstaltungen) oder dem jährlichen Einkommen von zwei
Gemeinderäten in Wien. Im vergleich dazu stellt das Amerlinghaus vier
Personen an und zahlt sämtliche Erhaltungs, Infrastruktur und Mietkosten
für das gesamte Jahr.

Info zur aktuellen Lage – von unzugänglichen Förderstellen Nach etlichen
Kommunikationsversuchen von Seiten des Amerlinghauses mit der
zuständigen MA 13 erfuhren die Verantwortlichen erst aus der U-Bahn
Zeitung von den tatsächlichen Plänen der Gemeinde.

Wenn der Gemeinderat in der Sitzung am Dienstag, 29. April 2014 die
Halbierung der Jahressubvention beschließt, wovon nur 53.000,- an den
Verein ausbezahlt werden, mit denen von Jänner bis Mai Ausgaben für
Strom, Gehälter, Krankenkasse, Finanzamt überbrückt werden, muss der
Verein seine Tätigkeit unverzüglich einstellen.

Über Monate hingehalten
Bis Mitte März wurden die MitarbeiterInnen des Vereins in der Annahme
bestärkt, dass nach Jahren zäher Verhandlungen und fehlender
Planungssicherheit 2013 ein Konsens mit der Gemeinde Wien erreicht
worden war und die Subvention heuer zwar extrem spät, aber zumindest im
Ausmaß der ausverhandelten Grundkosten beschlossen werden würde.

Nun kürzt die Stadt Wien die Subvention der freien Institution
Amerlinghaus von 245.000,- (für den Erhalt der Infrastruktur, die
gesamte Vereinstätigkeit, über 60 aktive Gruppen und weitere
NutzerInnen) um mehr als die Hälfte auf 113.000,- Euro.

Unangepasst und unangemessen
Es ist zynisch, eine 60%ige Kürzung in den Kontext einer
Neukonzeptionierung zu stellen. Die Strukturen des Kulturzentrums sind
zeitgemäß, unbürokratisch und funktionell.

Der Verein stellte über lange Zeit hinweg für verschiedenste Projekte
Arbeits- und Produktionsstätten, deren Schaffen die städtische Kultur zu
bereichern half. Das Amerlinghaus trug und trägt bei zu Sichtbarkeit,
Präsenz und Inklusion von Menschen, die von gesellschaftlichen
Entwicklungen betroffen sind, die immer mehr in Armut, Prekariat,
Marginalisierung und Unsichtbarkeit gedrängt werden.

Eine Neukonzipierung, so wie sie von den Vereinsmitgliedern gedacht ist,
bringt eine Ausweitung des Zentrums mit sich und eine Vervielfältigung
öffentlicher, solidarischer und inklusiver sozialer Räume.

Seitens einzelner PolitikerInnen und auch aus dem Büro der
Vizebürgermeisterin ist nach nachdrücklichem Nachhaken seitens des
Vereines die Rede davon, dass die am 1. April im für die MA13
zuständigen Ausschuss beschlossenen 113.000,- € nur die Subvention für
die erste Jahreshälfte sind und eine weitere Tranche an Fördergeldern
ausbezahlt werden wird.

„Wisst euch zu benehmen“
Voraussetzung dafür sei aber, so wurde seitens der Behörde kommuniziert,
ein „Wohlverhalten“ des Vereins gegenüber der Gemeinde. Wie eine solche
Forderung zu verstehen ist, und was sie für eine
kritisch-reflektierende, autonome und freie Kulturgemeinschaft bedeutet,
bleibt unklar, die Formulierung hinterlässt aber bereits einen schalen
Nachgeschmack.

Der Ausschussbeschluss bezieht sich explizit eine Jahres- und nicht eine
Halbjahressubvention. Entweder bekennt sich die Gemeinde Wien zum
Kulturzentrum und stellt wieder Planungssicherheit her, oder es ist
klar, dass die Rot-Grüne Koalition das Kulturzentrum nach 36 Jahren
abschaffen will.

Indem fast die Hälfte der Fördersumme von der Stadt an die
Gesiba-Gebäudeverwaltung ausbezahlt werden soll, während das
Kulturzentrum in den Ruin getrieben wird, ist anzunehmen, dass die
Gemeinde vielleicht lukrativere Pläne für Haus in exklusiver Lage hat.

Dass der Erhalt des Betriebes als Kultur- und Kommunikationszentrum mit
den 60 Gruppen und einem weitem Kreis an NutzerInnen nicht intendiert
ist, legt auch die wiederholte Aussage seitens der MA 13 nahe, der
Verein solle sich doch reiche Mieter_innen suchen.
Auf dieser Basis kann im Bereich freier Initiativen unmöglich weiter
gearbeitet werden.

Position beziehen!
Kunst kommt nicht von nichts – die HochschülerInnenschaft der Akademie
der Bildenden Künste erklärt sich mit Verein und Gruppen des
Amerlinghauses solidarisch und spricht sich gegen eine normierende und
Struktur- zerstörende Subventionspolitik aus!

Die HochschülerInnenschaft der Akademie der Bildenden Künste ergreift
daher klar Partei für die unabhängige Position des Amerlinghaus und ruft
alle kreativ Tätigen dazu auf, diesen legitimen Bedarf an zugänglichen,
nicht kommerziellen Vernetzungs- und Arbeitsplätzen lautstark und
sichtbar zu kommunizieren. Sozialer Raum darf nicht Verwertungslogik
untergeordnet werden, unkommerzielle Nutzung von Raum muss möglich bleiben.

Statt der Zerstörung eines solchen Ortes wäre der Stadt Wien und damit
der rot/grünen Koalition angeraten die Entstehung vieler freier und
unabhängiger Zentren zu fördern.

Unterstützt das Amerlinghaus (Beispielsweise durch das versenden von
Protestmails an die verantwortlichen Personen oder durch kreative
Aktionen) – Informiert euch unter:
http://www.amerlinghaus.at/sites/Materialien.htm

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