Ausstellung 14. bis 20. Mai 2026 @Semperdepot Wien

https://www.pffv.at/exhibition2026

Unter dem Titel HARD FEELINGS versammelte die Ausstellung rund 50 künstlerische Positionen aus unterschiedlichen Disziplinen und schuf einen vielstimmigen Raum für die Auseinandersetzung mit Körpern, Sexualität, Identität, Begehren und deren fortlaufender Transformation. Die Ausstellung verstand Begehren nicht als eindeutige oder abgeschlossene Kategorie, sondern als widersprüchlichen, intensiven und prozesshaften Zustand. Sex, Emotion, Macht, Verletzlichkeit und Identität wurden in den gezeigten Arbeiten als Kräfte sichtbar, die sich gegenseitig berühren, überlagern, destabilisieren und neu formen. HARD FEELINGS öffnete damit einen Raum, in dem Ambivalenzen nicht aufgelöst, sondern erfahrbar gemacht wurden: zwischen Härte und Zärtlichkeit, Kontrolle und Hingabe, Sichtbarkeit und Schutz, Scham und Selbstermächtigung.

Pornografie wurde im Rahmen der Ausstellung nicht als bloßes Bild, Tabu oder Problem behandelt, sondern als Sprache und visuelle Grammatik des Begehrens. Die künstlerischen Arbeiten untersuchten, wie Körper wahrgenommen, inszeniert, berührt, begehrt und erinnert werden. Zugleich machten sie sichtbar, wie gesellschaftliche Normen, Scham, Projektionen und Machtverhältnisse in intime Räume eingeschrieben sind. Die Ausstellung stellte Sexualität nicht als isolierten Akt dar, sondern als Experimentierfeld, als Bewegung und als fortwährende Neuerfindung dessen, was es bedeutet, Mensch zu sein, zu begehren und in Beziehung zu treten.

Ein zentrales Anliegen des Projekts war die Idee der Transformation. Körper und Identitäten wurden nicht als feste Zustände verstanden, sondern als offene Prozesse, die performt, verhandelt und immer wieder neu imaginiert werden. Die beteiligten Künstler_innen entwickelten vielfältige Zugänge zu Fragen von Intimität, Selbstrepräsentation, queerer Sichtbarkeit, körperlicher Erfahrung, Lust, Schmerz, Erinnerung und politischer Verletzlichkeit. Dadurch entstand ein vielschichtiges Ausstellungsgefüge, das sowohl ästhetisch als auch inhaltlich unterschiedliche Formen von Begehren, Körperlichkeit und Widerstand sichtbar machte.

Die Ausstellung wurde durch ein Performanceprogramm erweitert. Bereits zur Eröffnung am 14. April 2026 fanden nach der Eröffnungsrede mehrere Performances statt. Gezeigt wurden Nonhuman Gaze von Oleksii (Kolbei), geboren um dich glücklich zu machen von Sarah Tasha sowie It Went Deeper Than You Thought von Mehrta Shirzadian. Am 17. April 2026 folgte ein weiterer Performanceabend mit HUMAN AFTER ALL von Catherine Spet & Milena Nowak sowie The Immediate Stages of the Erotic von SNEILA. Die Performances erweiterten die Ausstellung um körperliche, zeitbasierte und situative Dimensionen und verstärkten den Fokus auf Präsenz, Verletzlichkeit, Handlungsmacht und Transformation.

Das Semperdepot bot für HARD FEELINGS einen räumlich und atmosphärisch starken Rahmen. Die historische Architektur des Gebäudes trat in einen produktiven Dialog mit den gezeigten Arbeiten und ihren Themen. Zwischen Monumentalität, Intimität, Öffentlichkeit und Schutzraum entstand eine Spannung, die wesentlich zur Wahrnehmung der Ausstellung beitrug. Besucher_innen konnten die Arbeiten innerhalb eines Settings erleben, das sowohl konzentrierte Betrachtung als auch körperliche und emotionale Resonanz ermöglichte.

Die Ausstellung wurde kuratiert von Jasmin Hagendorfer, Viktoria Körbler, Yavuz Kurtulmus und Lars* Kollros. Durch die Zusammenarbeit mit dem Porn Film Festival Vienna konnte die Academy of Fine Kink erneut als Plattform für künstlerische, feministische, queere und sex-positive Perspektiven positioniert werden. Das Projekt stärkte den Austausch zwischen Künstler_innen, Publikum und Festivalumfeld und trug dazu bei, Pornografie, Begehren und Körperpolitik als relevante Themen zeitgenössischer Kunst sichtbar zu machen.

Beteiligt waren die Künstler_innen: Aid Ragipovic, Aleks Murkovic, Alice Hanako, Ami Rali Bashiri, Andrea Reitbauer, Angela Andorrer, Anna Richert, Bora demirgören, Catherine Spet, Costanza Brandizzi, dependencies failed, don Anahi, Elsa Malou Pándi, Eme, Felix Helmut Wagner, Filipu Ashibi, Florian Leibetseder, ilias HGW, Jakob Liu Wächter, Jeanine Lehninger, Julsie, Jutta Just, Kathi Stylvest, Laura Baumann, Lena Dobner, Lis Walter, Lukasz Syslo, Lydia Simon, MATTEO DE CAMINADA, Maxin Krippner, Michal Rutz, Milena Nowak, Noah Destrée, Offerus Ablinger, Oke Fijal, Oleksii (Kolbei), Olivier Hölzl, Orçun Karamustafa, Otto Krause, Patrick Li, Pit Reding, Saliç Doğan, Sarah Tasha, Sascha Alexandra Zaitseva, Serge Payet, Silvia Ungersböck, SNEILA, Sofia Zuluaga, Sophie Charlotte von Rintelen, Tiina Sööt und Yusuf Çirikçi.

Insgesamt zeigte **HARD FEELINGS**, dass Körper und Begehren immer auch politisch sind. Die Ausstellung verhandelte Sexualität als Ort gesellschaftlicher Auseinandersetzung, als Archiv von Emotionen und als Möglichkeitsraum für neue Formen von Nähe, Selbstbestimmung und kollektiver Imagination. Sie machte deutlich, dass Kunst subversive Räume schaffen kann, in denen normative Vorstellungen von Körper, Identität und Intimität hinterfragt und transformiert werden. HARD FEELINGS verstand sich damit nicht nur als Ausstellung, sondern als temporärer Raum der Begegnung, des Widerspruchs und der Möglichkeit.