Wir fordern die sofortige Beendigung der Zusammenarbeit des Österreichischen Bundestheaterverbands mit G4S

Hochschüler_innenschaft Akademie der bildenden Künste Wien, IG Kultur Wien sowie IG Bildende Kunst zu G4S, Burgtheater, Bundestheater und Abschiebungen
http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20131024_OTS0037/wir-fordern-die-sofortige-beendigung-der-zusammenarbeit-des-oesterreichischen-bundestheaterverbands-mit-g4s
24. Okt. 2013, 09:31

Wir fordern die sofortige Beendigung der Zusammenarbeit des Österreichischen Bundestheaterverbands mit G4S
Utl.: Hochschüler_innenschaft Akademie der bildenden Künste Wien, IG Kultur Wien sowie IG Bildende Kunst zu G4S, Burgtheater, Bundestheater und Abschiebungen

Rund zwei Wochen nach der Intervention des Billeteurs Christian Diaz vom Wiener Burgtheaters zu dessen 125-Jahre-Feierlichkeiten lässt eine öffentliche Stellungnahme der Bundestheater immer noch auf sich warten. Das Dienstverhältnis mit dem über das umstrittene Unternehmen G4S „zugemieten“ Mitarbeiter wurde inzwischen beendet. Zudem fehlt eine klare Positionierung einer der bekanntesten Bühnen des Landes zu dem in Abschiebungen und Menschenrechtsverletzungen involvierten Security-Unternehmen G4S.
In den bisherigen Interviews und kurzen Statements wurde in keinster Weise auf die nunmehr prekäre Situation (Anm.: Quelle?) des Billeteurs eingegangen. Von einem kritischen Theater wie dem Burgtheater wäre jedoch zu erwarten, dass unzureichende ökonomische Verhältnisse thematisiert und ohne bürokratischen Aufwand beseitigt werden.

Iver Ohm, Vorstandsmitglied der IG Kultur Wien dazu ausführend: „Herr Diaz hat nicht nur auf das weitverbreitete Problem der zunehmenden Prekarisierung von Lohnarbeit mittels globaler neoliberaler Profitmaximierungsstrategien sowie auf die Scheinheiligkeit der örtlichen Kulturinstitutionen in Bezug auf diese Tendenzen hingewiesen, sondern auch den Zusammenhang dieser Problematiken mit rassistischen und diskriminierenden Alltagspraktiken in Europa thematisiert.“

Willi Hejda von der ÖH der Akademie der bildenden Künste dazu weiter: „Zivilgesellschaftliches Engagement darf nicht im Verlust von Erwerbsarbeit enden. Der mutige Schritt des Billeteurs muss vielmehr praktisch unterstützt werden. Das Burgtheater muss hier seine Verantwortung als moralische Instanz wahrnehmen.“

Nicht nur das Burgtheater ist aufgefordert, zu Fakten wie der unlängst bekannt gewordenen Verwaltung und Betreuung von G4S an einem Abschiebegefängnis in Vordernberg in der Steiermark Schlüsse zu ziehen und die Zusammenarbeit mit G4S aufzukündigen.
Wie sich diese Ausrichtung der globalen tätigen Sicherheitsfirma mit dem Auftrag der Bundestheater und Museen, Kunst- und Kultur zu vermitteln, verbinden lässt, bleibt unbeantwortet. In England ist ein Verfahren gegen G4S anhängig, weil G4S-Securitys bei einer Abschiebung so aggressiv vorgingen, dass eine Person dabei erstickte.

Ricarda Denzer, Vorsitzende der IG Bildende Kunst:“Hält es das Burgtheater etwa für erstrebenswert, sich als G4S-Auftraggeber in eine Reihe mit Einrichtungen wie Abschiebegefängnissen oder Atomkraftwerken zu stellen? Ist es verteidigenswert, wenn Arbeitnehmer_innen bei einem Unternehmen beschäftigt sind, das weltweit für die Nichteinhaltung von arbeits- und sozialrechtlichen Standards bekannt ist?“

Unklar ist weiterhin, wie genau die zukünftige Kooperation des Bundes mit G4S hinsichtlich dem Abschiebegefängnis Vordernberg aussieht. Die Verträge zwischen Innenministerium und G4S über den 68 Millionen Euro Deal bleiben geheim. Suspekt dabei ist auch, dass der frühere Innenminister Ernst Strasser (ÖVP) im Aufsichtsrat der Firma saß und dass Matthias Wechner, der Österreichchef von G4S, zuvor Mitglied im Kabinett von Innen- und Verteidigungsminister Günther Platter (ÖVP) tätig war. Dies alles weist auf eine „gelegte Rutsche“ der ehemaligen schwarz-blauen Regierung für das Projekt hin. Der Bauort für das „Schubhaftzentrum“ befindet sich darüber hinaus in einer extrem abgelegenen und von Abwanderung gekennzeichneten Region. Gezielt soll so offenbar ein Austausch mit der lokalen Bevölkerung, eine Kontrolle unabhängiger NGOs sowie der Kontakt zu einem möglichen Rechtsbeistand unterbunden werden.

Ohm, Hejda und Dezer abschließend: „Wir schließen uns dem Traum von Christian Diaz an: ‚Wir träumen von einem Theater, das sich gegen die Abschiebung von Menschen wendet, die in anderen Teilen der Welt unterbezahlt und in Elend die Produkte unseres Wohlstands herstellen.'“

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